Eine Pause ankündigen
„Ich merke, dass mein Kopf gerade voll wird. Ich brauche zehn Minuten Ruhe.“
Selbstakzeptanz & Entlastung
Du sitzt in einer Runde, hörst zu und lächelst. Niemand merkt, wie anstrengend es gerade ist. Zu Hause brauchst du erst einmal Ruhe. Wenn das häufig so läuft, lohnt es sich, die Belastung genauer anzuschauen und beim nächsten Mal früher etwas anzusprechen.
Manches davon passiert fast automatisch: eine Bewegung unterdrücken, eine Antwort im Kopf vorbereiten, bei Überforderung trotzdem weiterreden. Vielleicht hast du dir das über Jahre angewöhnt. Hier geht es darum, herauszufinden, welche dieser Gewohnheiten dir helfen und bei welchen du nachher regelmäßig erschöpft bist.

Mit Masking ist hier gemeint, eigene Merkmale oder Schwierigkeiten zu verbergen, um Erwartungen zu erfüllen oder nicht aufzufallen. Das kann bewusst passieren oder längst zur Gewohnheit geworden sein. Vielleicht übst du Gespräche ein, unterdrückst Bewegungen oder überspielst Überforderung.
Oft entstehen solche Gewohnheiten aus Erfahrung: Wer wegen seiner Reaktionen kritisiert oder ausgeschlossen wurde, versucht beim nächsten Mal weniger aufzufallen. Das kann schützen. Auf Dauer wird es jedoch anstrengend, wenn kaum noch Platz für eigene Bedürfnisse bleibt.
Ein kürzeres Treffen oder ein ruhigerer Ort können einen Versuch wert sein. Eine vertraute Person könnte auch Bescheid wissen, dass du zwischendurch eine Pause brauchst. So musst du nicht jedes Mal erst warten, bis es gar nicht mehr geht.
Ein einzelner anstrengender Tag sagt wenig. Schau auf wiederkehrende Situationen: Wo beobachtest du dich ständig selbst? Nach welchen Begegnungen brauchst du besonders lange Ruhe? Wann sagst du „alles gut“, obwohl du längst überfordert bist?
Auch Schlafprobleme, Gereiztheit, Rückzug oder weniger Freude können Anlass sein, dir Unterstützung zu holen. Sie haben viele mögliche Ursachen. Beschreibe bei einem Termin, was du bemerkst und seit wann es so ist. Die Ursachen lassen sich dann gemeinsam genauer anschauen.
Beginne mit jemandem, bei dem du dich wohlfühlst. Ein ruhiges Gespräch zu zweit ist oft ein besserer Rahmen als eine große Runde, in der du viele Reaktionen gleichzeitig einschätzen musst.
Sprich eine konkrete Sache an: „Können wir das Radio ausmachen? Dann kann ich dir besser zuhören.“ So erfährt dein Gegenüber, was gerade schwierig ist und wie es dir helfen kann.
Wie hat die andere Person reagiert, und war das Gespräch danach leichter? Wenn etwas geholfen hat, könnt ihr es für das nächste Treffen vereinbaren. Wenn nicht, lässt sich eine andere Lösung suchen.
Überlege vorher, bei wem du dich mit einer solchen Bitte gut aufgehoben fühlst. Es reicht zunächst, ein Bedürfnis zu benennen. Ob du auch von einer Diagnose erzählst, hängt von der Situation und deinem Vertrauen ab. Bei abwertenden Reaktionen kann eine Beratungsstelle helfen, das weitere Vorgehen zu klären.
„Ich merke, dass mein Kopf gerade voll wird. Ich brauche zehn Minuten Ruhe.“
„Heute kann ich das nicht zusätzlich übernehmen. Ich kann dir morgen einen kleinen Teil anbieten.“
„Wenn ich still werde, heißt das nicht, dass du mir egal bist. Manchmal brauche ich erst Zeit zum Sortieren.“
„Ich möchte dich verstehen. Bitte eine Frage nach der anderen.“
Wenn etwas schiefgegangen ist, hilft es, bei der konkreten Situation zu bleiben: Was ist passiert? Was muss geklärt werden? Was würde beim nächsten Mal helfen? „Ich habe den Termin vergessen“ lässt sich bearbeiten. „Ich bin einfach unzuverlässig“ macht daraus einen Vorwurf, der wenig weiterhilft.
Du entscheidest auch, welche Worte für dich passen: „Ich habe ADHS“, „ich bin autistisch“, „ich bin neurodivergent“ oder eine Beschreibung deiner Bedürfnisse. Im Gespräch ist oft die konkrete Erfahrung am verständlichsten: „Bei mehreren Gesprächen gleichzeitig verliere ich den Faden.“
Wenn du alte Sätze wie „Ich bin zu empfindlich“ bemerkst, probier eine konkretere Frage: „Was war hier zu viel, und was hätte geholfen?“
Wenn selbst kleine Aufgaben kaum noch gehen, ist ein umfangreicher Plan meistens zu viel. Schau zunächst, was heute notwendig ist und was warten kann. Gibt es etwas zu essen? Einen ruhigeren Platz? Jemanden, der einen Einkauf oder einen Anruf übernehmen kann?
Anhaltende Erschöpfung, depressive Beschwerden oder ein deutlicher Einbruch deiner Alltagsfähigkeit brauchen fachliche Abklärung. Masking kann eine Rolle spielen; ebenso können andere psychische oder körperliche Ursachen beteiligt sein. Unterstützung finden · Überlastungszustände verstehen.
Wenn du dich akut gefährdet fühlst oder Suizidgedanken hast, findest du auf Akute Hilfe direkte Anlaufstellen. Bei unmittelbarer Gefahr ruf 112 an.
So bleibt die Möglichkeit zur Begegnung erhalten, und du hast einen Ausweg, bevor die Belastung zu groß wird. Überlege, welche ähnliche Absprache dir in deinem Alltag helfen könnte.
Zum Weiterlesen
Bei autistischen Menschen ist Masking in der Forschung mit psychischer Belastung verbunden; Erfahrungsberichte beschreiben auch Erschöpfung und Burnout. Die verlinkten Übersichten befassen sich mit Masking, dem Druck zur Anpassung und psychischer Gesundheit bei Autismus und ADHS.