Du musst bei einem Termin nicht beweisen, dass du ADHS oder Autismus hast. Hilfreicher ist es, konkrete Situationen zu beschreiben: eine Aufgabe, die du trotz guter Absicht nicht beginnen konntest; einen Arbeitstag, nach dem für nichts anderes mehr Kraft blieb; oder eine Veränderung, die dich viel stärker aus der Bahn warf, als andere verstanden haben.
Warum wird so viel nach früher gefragt?
ADHS und Autismus beginnen nicht plötzlich im Erwachsenenalter. Darum wird geschaut, ob ähnliche Muster schon in Kindheit und Jugend erkennbar waren. Niemand erinnert sich lückenlos. Alte Unterlagen oder Menschen von damals können helfen, aber auch Erinnerungslücken gehören ehrlich in das Bild.
Warum gelingt etwas in einer Situation und in einer anderen kaum?
Ein klarer Arbeitsplatz, feste Routinen oder Hilfe von außen können Schwierigkeiten auffangen. In einer unübersichtlichen Umgebung werden dieselben Schwierigkeiten vielleicht sofort sichtbar. Eine gute Diagnostik fragt deshalb nicht nur, ob etwas gelingt, sondern auch, wodurch es gelingt und welchen Preis du dafür bezahlst.
Und wenn doch etwas anderes dahintersteckt?
Auch Schlafprobleme, Angst, Depression, Trauma, Dauerstress, Medikamente, Substanzen und körperliche Erkrankungen können Konzentration, Sinnesverarbeitung oder Rückzug verändern. Je nach Beschwerden sollten außerdem bipolare Störungen, Zwang, Psychosen, Lern- oder Sprachstörungen, Hör- und Sehprobleme, Epilepsie und andere neurologische Erkrankungen, Folgen einer Hirnverletzung, Schlafapnoe, Schmerzen oder hormonelle Veränderungen mitbedacht werden.
Differenzialdiagnostik bedeutet nicht immer entweder oder. Mehrere Erklärungen können gleichzeitig zutreffen und sich gegenseitig verstärken. Die Prüfung spricht nicht gegen dich – sie verhindert, dass behandelbare Begleiterkrankungen übersehen oder alle Schwierigkeiten vorschnell mit einer einzigen Diagnose erklärt werden.