VKVielfalt im Kopf
← Nach der Diagnose

Vom Verstehen zu konkreten Absprachen

Erklären, was du brauchst.

Du weißt vielleicht inzwischen besser, was dich anstrengt. Das heißt noch nicht, dass andere es erkennen. Eine Diagnose allein erklärt auch nicht, welche Unterstützung dir in einer bestimmten Situation hilft.

Oft wird ein Gespräch einfacher, wenn du ein Beispiel nennst: Was passiert, was macht es schwierig und was könnte helfen? Hier findest du Anregungen für Arzttermine, Reha, das Zusammenleben und bevorstehende Veränderungen.

Sätze, die du für dich anpassen kannst

So wird aus „Es ist zu viel“ eine konkrete Absprache.

Du musst nicht erst einen Fachbegriff erklären, um eine Bitte zu äußern. Du könntest anhand einer Situation erklären, was dir schwerfällt und welche Änderung dir helfen würde. Diese Beispiele zeigen, wie das klingen kann.

Mehrere Aufgaben auf einmal

„Wenn neue Aufgaben zwischendurch dazukommen, verliere ich den Überblick. Bitte sag mir, was zuerst fertig werden muss und was dafür warten kann.“

Mögliche Absprache: Neue Aufträge kommen an einer Stelle an und bekommen eine eindeutige Reihenfolge.

Kurzfristige Änderungen

„Wenn sich der Ablauf ändert, brauche ich kurz Zeit, mich darauf einzustellen. Bitte sag mir, was sich ändert und was gleich bleibt.“

Mögliche Absprache: Änderungen werden möglichst früh mitgeteilt, wichtige Einzelheiten zusätzlich schriftlich.

Rückzug nach einem Treffen

„Ich war gern dabei. Jetzt brauche ich Ruhe und möchte nicht weiterreden. Lass uns morgen wieder sprechen.“

Mögliche Absprache: Nach längeren Treffen bleibt freie Zeit, ohne direkt den nächsten Besuch einzuplanen.

Wenn dein Gegenüber sagt: „Das geht hier nicht.“

Vielleicht lässt sich eine andere Lösung finden, die dir ebenfalls hilft: „Wenn kein eigener Raum möglich ist: Können wir eine ruhige Arbeitszeit ohne Unterbrechungen vereinbaren?“ Oder: „Wenn es keinen schriftlichen Ablauf gibt: Können Sie mir die nächsten beiden Schritte nennen?“

Hat die Absprache geholfen?

Ihr könntet gemeinsam überlegen, wer was übernimmt und wann ihr euch darüber austauscht, ob es hilft. Zum Beispiel: „Wir probieren die gemeinsame Aufgabenliste zwei Wochen aus. Dann schauen wir, ob weniger Aufträge untergehen.“ Wenn es nicht funktioniert, könnte ein Blick auf die Umsetzung helfen: Ist die Liste unübersichtlich, fehlt die Reihenfolge oder wird sie nicht aktualisiert?

Eine eigene Situation und eine passende Veränderung beschreiben

↑ Zur Übersicht

Eine konkrete Bitte ist leichter umzusetzen.

„Ich brauche mehr Rücksicht“ kann vieles bedeuten. Ein Beispiel hilft deinem Gegenüber zu verstehen, was du meinst. Die folgende Darstellung zeigt eine Möglichkeit, ein Gespräch vorzubereiten.

Situation → Schwierigkeit → Bitte

Was passiert?

„Du erklärst mir mehrere Aufgaben auf einmal.“

Eine konkrete Situation kann ein gemeinsamer Ausgangspunkt sein.

Was macht es schwierig?

„Dabei verliere ich den Überblick.“

Hier könntest du beschreiben, was dir dabei schwerfällt.

Was würde helfen?

„Bitte schreib mir die Aufgaben in der gewünschten Reihenfolge auf.“

Eine mögliche Veränderung lässt sich gemeinsam ausprobieren.

Nicht jede Bitte lässt sich genau so erfüllen. Dann könnt ihr überlegen, welche Alternative denselben Zweck erfüllt. Wenn Aufschreiben gerade nicht möglich ist, könnte dein Gegenüber beispielsweise eine Aufgabe nach der anderen nennen.

↑ Zur Übersicht

Vor, während und nach dem Termin

Beim Arzt verständlich machen, was wichtig ist.

Ein voller Warteraum, Zeitdruck oder viele mündliche Informationen können einen Termin erschweren. Du kannst der Praxis schon bei der Anmeldung sagen, was dir helfen würde, und fragen, was sich organisieren lässt.

Vorher: Das Wichtigste bereitlegen

Vielleicht helfen dir ein paar Stichworte: Weshalb gehst du zum Arzt? Seit wann bestehen die Beschwerden? Was hat sich verändert? Eine aktuelle Medikamentenliste und passende Befunde können das Gespräch ergänzen. Du weißt am besten, ob du lieber Notizen nutzt, etwas vorliest oder frei erzählst.

Eine Anfrage könnte lauten: „Langes Warten im vollen Wartezimmer ist für mich schwierig. Gibt es eine ruhigere Möglichkeit zu warten?“ Wenn du eine Begleitperson mitnehmen möchtest, kannst du vorher bei der Praxis nachfragen. Ihr könntet miteinander besprechen, wobei sie dich unterstützen soll und welche Fragen du selbst beantworten möchtest.

Währenddessen: Nachfragen und Pausen ansprechen

Zum Beispiel: „Bitte erklären Sie mir vor der Untersuchung, was als Nächstes passiert.“ Oder: „Ich brauche einen Moment, um die Information zu verarbeiten.“ Wenn Sprechen gerade schwerfällt, können vorbereitete Notizen helfen.

Danach: Wissen, wie es weitergeht

Zum Abschluss könnten diese Fragen hilfreich sein: Was wurde festgestellt? Was soll ich jetzt tun? Wann ist eine Kontrolle nötig? Wenn dir eine schriftliche Erinnerung hilft, kannst du darum bitten, wichtige Empfehlungen aufzuschreiben. Eine Diagnose wie ADHS oder Autismus erklärt nicht automatisch neue körperliche Beschwerden. Auch diese Beschwerden kannst du ansprechen und mit einem Beispiel beschreiben.

↑ Zur Übersicht

Vor einer Reha klären, was vor Ort möglich ist.

Eine Klinik muss nicht auf ADHS oder Autismus spezialisiert sein, um einzelne hilfreiche Anpassungen anzubieten. Umgekehrt sagt eine Spezialisierung allein noch nicht, ob der Aufenthalt zu deinem konkreten Bedarf passt.

Vor der Aufnahme könntest du nach den Bedingungen fragen, die für dich entscheidend sind. Zum Beispiel:

  • „Bekomme ich meinen Therapieplan schriftlich, und wie erfahre ich von Änderungen?“
  • „An wen kann ich mich wenden, wenn mich das Programm überfordert?“
  • „Gibt es einen ruhigen Rückzugsort?“
  • „Können wir besprechen, was mir bei Gruppenangeboten oder Mahlzeiten helfen würde?“

Bei wichtigen Absprachen kann eine schriftliche Bestätigung hilfreich sein. Du könntest auch nachfragen, ob das aufnehmende Team davon erfährt. So musst du beim Ankommen möglichst wenig neu erklären. Was eine Klinik allgemein anbietet und was für deinen Aufenthalt vereinbart wurde, ist nicht immer dasselbe.

Reha-Kliniken und ihre Angaben ansehen
↑ Zur Übersicht

Missverständnisse klären, ohne einander Vorwürfe zu machen.

Ein Rückzug nach einem Treffen kann als Ablehnung verstanden werden. Eine Erinnerung an eine Aufgabe kann hilfreich gemeint sein und trotzdem Druck auslösen. Statt zu raten, was die andere Person meint, lohnt sich ein Gespräch über die konkrete Situation.

Du könntest sagen: „Nach einem langen Treffen brauche ich Ruhe. Das bedeutet nicht, dass ich nicht gern mit dir zusammen bin.“ Oder: „Eine Erinnerung hilft mir. Mehrere Nachfragen kurz hintereinander machen mich dagegen nervös. Können wir einen Zeitpunkt vereinbaren?“

Pausen mit einer Rückkehr verbinden

Wenn ein Gespräch zu viel wird, kann eine vereinbarte Pause helfen: „Ich kann gerade nicht gut weiterreden. Lass uns um 19 Uhr noch einmal darüber sprechen.“ Ein für beide passender Zeitpunkt kann die Rückkehr zum Gespräch erleichtern. Falls du länger brauchst, könnte eine kurze Nachricht helfen, Missverständnisse zu vermeiden.

Die Bedürfnisse beider Seiten zählen.

Eine Erklärung kann Verständnis erleichtern, beseitigt aber nicht automatisch die Folgen eines Konflikts. Auch dein Gegenüber darf sagen, was es braucht. Hilfreich sind Absprachen, die beide mittragen können: Wer übernimmt welche Aufgabe? Wie erinnern wir daran? Was tun wir, wenn es nicht klappt?

↑ Zur Übersicht

Veränderungen überschaubar machen.

Eine neue Arbeitsstelle, ein Umzug oder ein veränderter Therapieplan kann mehrere vertraute Abläufe gleichzeitig betreffen. Vorbereitung bedeutet nicht, alles vorhersehen zu müssen. Es geht darum, die wichtigsten offenen Fragen zu klären.

Was ändert sich, und was bleibt gleich?

Vielleicht hilft dir eine Notiz dazu, ab wann etwas anders läuft, was du dafür brauchst und wer Fragen beantworten kann. Bei einem neuen Termin können Anfahrt, Treffpunkt, Dauer und Ablauf wichtiger sein als eine lange allgemeine Beschreibung.

Was lässt sich vorher ausprobieren?

Vielleicht kannst du den Weg vorab ansehen, dir einen Raum zeigen lassen oder einen neuen Ablauf zunächst mit Unterstützung testen. Vertraute Gewohnheiten können in dieser Zeit Halt geben. Vielleicht lässt sich auch eine andere Veränderung verschieben, damit nicht so viel auf einmal neu ist.

Was tun, wenn der Plan nicht aufgeht?

Ein einfacher Ersatzplan könnte sich an diesen Fragen orientieren: Wen rufst du an, wenn du den Eingang nicht findest? Wo kannst du eine Pause machen? Welche Aufgabe kann warten? Ein brauchbarer Ersatzplan muss nicht jede Möglichkeit abdecken.

↑ Zur Übersicht

Fachliche Grundlage und Beispiele

Die britischen NICE-Leitlinien zu Autismus und ADHS empfehlen, Unterstützung an den jeweiligen Bedürfnissen auszurichten. Dazu gehören verständliche Kommunikation und passende Umgebungsbedingungen. Die Leitlinie zu Autismus betont außerdem, körperliche Erkrankungen nicht zu übersehen. Die Gesprächsbeispiele auf dieser Seite sind praktische Anregungen der Redaktion, keine festgelegte Gesprächsmethode oder Zusage einer Einrichtung.

Stand: 20. September 2026.

↑ Zur Übersicht

Diesen Beitrag weitergeben

Vielleicht kennst du jemanden, dem diese Seite helfen könnte. Hier ist ein fertiger Text für einen Social-Media-Beitrag oder eine Nachricht. Du kannst ihn vor dem Kopieren verändern.

Per E-Mail weitergeben

Zum Beispiel kannst du den Text in einen Beitrag bei Facebook oder LinkedIn einfügen. Auf Geräten mit Teilen-Funktion kannst du eine der dort angebotenen Apps wählen. Du entscheidest dort, an wen du ihn sendest oder ob du ihn veröffentlichst.